• Tamara

BAG Anpassungen

Aktualisiert: 12. Dez 2018

Ich gebe es zu, ich verziehe meist das Gesicht, wenn ich Post von meinem Insulinpumpenanbieter bekomme. Noch mehr, wenn ich bereits beim Öffnen sehe, dass es sich (mal wieder) um einen Vertrag handelt. Zuletzt passiert im September 2018. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat per 1. Juli 2018 die Rückvergütung für Insulinpumpen und Verbrauchsmaterial geändert. Soweit so gut. In dem Schreiben stand, dass von mir mit dieser Änderung beispielsweise für die Insulinpumpe 30% als Zuzahlung übernommen werden müssten. Sie bieten nun aber einen Vertrag mit drei Optionen an, um weiterhin eine Therapie ohne Zusatzkosten zu gewährleisten oder dass die Zuzahlung selbst gewählt werden kann.

Der Inhalt des Couverts war riesig und kompliziert. Und zusätzlich kam Zeitdruck hinzu, denn man hatte nur knapp eine Woche Zeit (der Zeitpunkt des Erhalts des Briefes hat sich jedoch anscheinend von Person zu Person sehr unterschieden), sich zu entscheiden. Man konnte eine Therapieoption ohne Zuzahlung wählen, aber die Auswahl an zum Beispiel Infusionssets war dort enorm eingeschränkt. Ich persönlich musste mich für die teuerste der drei Optionen entscheiden, weil meine Infusionssets nur in dieser erhältlich sind. Das bedeutet für mich eine Zuzahlung von rund Fr. 394.- im Jahr (mit 365 Tagen kalkuliert). Man könnte sagen, dass ich mich anpassen soll, denn dann müsste ich nichts draufzahlen. Sehe ich absolut nicht ein, denn ich muss schon mit dieser Krankheit leben und möchte mir das wenigstens weitestgehend angenehm gestalten (weshalb für mich übrigens auch kein Systemwechsel infrage kommt, aber dazu in einem anderen Beitrag mehr). Doch was machen Betroffene, die sich diese Zuzahlung schlichtweg nicht leisten können? Oder Familien, in denen es vielleicht mehrere Diabetiker gibt? Die meisten chronisch kranken Schweizerinnen und Schweizer wählen aufgrund der hohen Kosten bereits die tiefste Franchise, was aber gleichzeitig höhere Prämienzahlung nach sich zieht.

Mein Insulinpumpenanbieter ist im Moment der Einzige, der eine Zuzahlung verlangt. Hinzu kommt, dass man das Material direkt von der Firma erhält und es nicht mehr nach Bedarf in der Diabetes-Gesellschaft bestellen darf. Man weiss noch nicht, wohin der Weg führt, denn die Konsumenten wehren sich. Das Thema wurde sogar in der Sendung Kassensturz diskutiert. Aber es ist nun einmal so, dass wir nicht von heute auf morgen entscheiden können, dass wir einen Therapiesystemwechsel vornehmen. Dazu braucht es Gespräche, Verordnungen und nicht zuletzt Zeit, um die verschiedenen Alternativen zu prüfen. Schlicht zu wenig Zeit blieb in diesem Fall.

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