HbA1c out!?


Kürzlich war ich am Diabetesforum in St.Gallen. Es gab spannende Vorträge. Unter anderem nahm ich auch an Dr.med. Christopher Strey’s Präsentation teil. Dabei ging es um die kontinuierliche Blutzuckermessung und Tipps zur Dateninterpretation. Eine Aussage blieb in meinem Kopf hängen. Er meinte, der HbA1c Wert sei zukünftig out.

Ich fand diese Formulierung extrem interessant, v.a. da auf den Onlineplattformen immer ein riesen Hype um diesen Wert gemacht wird. Es scheint so als richte sich die ganze Diabeteswelt nach diesem einen Wert. Ist er zu hoch, bricht für viele eine kleine Welt zusammen. Irgendwie verstand ich das nie so ganz. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch nicht so lange an Diabetes Typ 1 leide und ich von Ärzten (noch) zu wenig darauf gedrillt wurde, dass dieser Wert enorm aussagekräftig ist.


Wie ihr wisst, startete ich ja ziemlich bald nach meiner Diagnose mit dem Freestyle libre Sensor. Da ich mit diesem und dem dazugehörigen Gerät/App ständig einen tollen Kurvenverlauf über meine BZ-Werte bekomme und sogar noch nachschauen kann, was mein geschätzter HbA1c Wert ist, kam es beim Arzt nie zu grossen Überraschungen für mich. Ich wusste immer, was mich ungefähr erwartet. Meistens war er sogar noch etwas tiefer als ich vermutete.

Auch habe ich durch meine Datensammlung permanent eine Rückmeldung, wie sich mein BZ bewegt. Für mich war schnell klar, dass schwankende Kurven nicht gut für mich sind. Zu hoch, dann wieder zu tief ist einfach schlecht. Was es allerdings bewirkt, ist ein guter Durchschnitt. Da leuchtete mir schnell ein, dass ich dann trotz gutem HbA1c Wert nicht gut eingestellt bin. Dieser Wert gaukelt dir und den Ärzten beim oberflächlichen Hinschauen einfach nur etwas vor.

Wenn man genauer hinschaut, und das erwähnte auch Dr. Strey, können zwei Menschen einen genau gleichen HbA1c Wert haben, der eine ist aber viel besser eingestellt als der andere. Das heisst, bei einer Person gibt es kaum Schwankungen im Kurvenverlauf. Der BZ ist ziemlich ausgeglichen. Es gibt keine Ausreisser nach oben und keine nach unten. Bei Person 2 schwankt der BZ massiv. Mal sind die Werte zu hoch, dann wieder zu tief. Endergebnis, der Durchschnitt ist gleich wie bei Person 2. Nun könnt ihr euch selber fragen, was wohl besser bzw. gesünder ist.


Auch können andere gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie z.B. eine Blutarmut dazu führen, dass bei dieser Person der HbA1c Wert generell höher liegt. Die Blutplättchen bleiben länger im Blut / werden weniger schnell ersetzt und somit bindet sich insgesamt mehr Glukose an den Plättchen. So kann es sein, dass zwei gleich gut eingestellte DiabetikerInnen einen unterschiedlichen HbA1c Wert aufweisen.


Ich bin gespannt, in welche Richtung es mit dem HbA1c gehen wird. Vielleicht müssen wir ja bald nicht mehr alle 3 Monate diesbezüglich zur Kontrolle...


Wie wichtig war bisher dieser HbA1c Wert für euch? Habt ihr manchmal Angst davor den Wert zu erfahren? Wie geht es euch vor und nach der Kontrolle?

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