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  • Tamara

Meine Traumhochzeit im Sommer 2017

Am Valentinstag 2016 machte mir mein Freund nach sieben gemeinsamen Jahren einen absolut romantischen Heiratsantrag. Ablenkungsmanöver, über 100 Kerzen, Musik und Rosenblätter inklusive. Es war ein wunderschöner Abend und ich eine extrem aufgeregte neue «Bride-to-be». Eineinhalb Jahre später haben wir geheiratet. Die Verlobungszeit zog sich die ersten Monate waaahnsinnig hin, doch gegen Ende verging die Zeit wie im Flug. Das wichtigste in dieser Zeit: die Auswahl des Brautkleides! Schon im Voraus dachte ich immer wieder daran, was ich an meinem grossen Tag wohl mit meiner Pumpe machen soll. Abgesehen davon, dass sie sich unter engen Kleidungsstücken abzeichnet, sind meine Blutzuckerwerte aufgrund der Verbindung zum Enlite-Sensor darauf zu sehen (und leider wirklich nur darauf). Ich hätte den Sensor natürlich auch einfach nicht setzen können, doch da ich in emotionalen Ausnahmesituationen dazu neige, einen unberechenbaren Blutzucker zu haben, war mir das doch wichtig.

Hmmm, ich diskutierte mit einigen in meinem Umfeld und schlussendlich entschied ich mich dafür, einfach die Brautmodenverkäuferin um Rat zu fragen. Acht Monate vor dem grossen Tag stand ich zum ersten Mal in einem Brautmodengeschäft und war völlig überwältigt. Hunderte von Kleidern, eines schöner als das andere. Meine Mutter und meine beiden Trauzeuginnen begleiteten mich. Ich hatte keine klare Vorstellung, aber natürlich hatte ich im Voraus monatelang Pinterest durchstöbert und wollte mich schon ein wenig wie eine Prinzessin fühlen. Ich kann mich in Alltagssituationen nie entscheiden – egal um was es geht. Aber beim Shopping schon! Das achte Kleid war MEIN Kleid! Wirklich ein bisschen Prinzessin, eine Schleppe und funkelnde Accessoires. Nur, es waren aber auch SIEBEN Schichten Kleid. Wie soll ich da bitteschön an meine Pumpe herankommen?! Das mit dem «einfach herankommen» musste ich letzten Endes vergessen. Denn das sichere und unauffällige Verstauen an sich war mir wichtiger. Wie schon öfter erwähnt ist mir mein Diabetes nicht peinlich und ich verstecke ihn auch nicht. Aber an diesem Tag sollten keine offensichtlichen «Diabetes-Dinge» meine Hochzeitsfotos zieren. Deshalb setzte ich sowohl Katheter als auch Sensor an den Oberschenkel. Die Schneiderin nähte mir in die unterste Schicht des Kleides ein kleines Täschchen ein, in das meine Pumpe perfekt reinpasste. Es war genial. Klar, an die Pumpe kam ich ohne Hilfe bzw. ohne raffen meines Kleides nicht ran, aber erstaunlicherweise benahm sich mein Blutzucker den ganzen Tag relativ gut. Wenn ich wirklich wissen wollte, was mein Blutzucker macht, habe ich manchmal auch einfach blutig gemessen. So gings tiptop!

Wir hatten Traumwetter, doch es war so richtig heiss. 32 Grad! Es war ein wunderschöner Tag mit unseren Familien und Freunden. Diabetestechnisch lief alles reibungslos, unsere vorgängige Planung war auch super 😊. Meine beiden Trauzeuginnen und mein Mann trugen Traubenzucker bei sich und ich musste mich nur bemerkbar machen, und schon wurde ich versorgt. Weil ich an diesem Tag vor Nervosität überhaupt keinen Hunger hatte, fiel ich am Morgen während den Vorbereitungen und am Abend vor dem Essen in ein Hypo, was aber kein grosses Drama war. Ein paar Schlucke Orangensaft später war ich schon fast wieder bereit, den bisher schönsten Tag meines Lebens zu feiern.

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