Wie alles begann...




Wie alles begann...

Ganz genau kann ich mich nicht mehr erinnern, wann und wie es begann. Wenn ich an vor zwei Jahren zurückdenke, dann weiss ich einfach mit Sicherheit noch, dass die drei bis vier Monate bis zur Diagnose eher schwer waren.

Das Schuljahr hatte gerade wieder neu begonnen. Damals unterrichtete ich in drei verschiedenen Klassen, vor allem die sprachlichen Fächer.

Alles Ausreden

Mit einer der Klassen hatte ich vor den Sommerferien bereits Schwierigkeiten. Ins Detail gehen kann und möchte ich hier nicht. Auf jeden Fall waren diese fünf Lektionen so anstrengend, dass ich das Gefühl hatte, es beherrscht mein Leben. All meine Energie ging in diesen Unterricht. Ich wollte immer, dass die Kinder gerne kommen und Freude an der Sprache haben. Noch nie hatte ich solche Mühe auf der Primarstufe mit den Kindern klarzukommen. So im Nachhinein, nehme ich an, dass meine aufkeimende Erkrankung auch nicht zur Besserung der Situation beitrug; ich wurde schnell wütend, war häufig frustriert, hatte einfach nicht mehr so viel Geduld und Ruhe wie sonst. Natürlich ging ich davon aus, dass ich ziemlich reizbar war und ich nicht mehr viel ertrug, weil die Situation so verfahren war und sich keine Besserung einstellte. Auch führte ich meine Müdigkeit und Antriebslosigkeit daraufhin zurück. Irgendwann kam dann bei mir noch dieser unstillbare Durst dazu. Während jeder Lektion musste ich mehrmals Wasser trinken, obwohl die Regel, auch für die Kids, vor und nach dem Unterricht lautete. Ich selber schaffte es nicht mehr. Durch das viele Trinken hätte es bei mir doch tatsächlich einmal „Klick“ machen müssen. Die Symptome waren mir schliesslich von meinem Bruder her bekannt. Wie der Mensch aber so ist, findet er für alles eine Ausrede, wenn es sein muss. Dadurch dass ich mich oft erschöpft fühlte, trank ich viel mehr Kaffee. Mama meinte früher einmal, das entziehe dem Körper Wasser. Also kombinierte ich: hoher Kaffeekonsum, mehr Durst. Zu allem beruflichen Stress, kam es ebenfalls zu privatem Stress. Damals war ich seit einem Jahr mit meinem Freund zusammen. Immer mehr kam es vor, dass ich lieber Zuhause blieb, nicht ausgehen oder dann wenigstens wieder früh nach Hause zurückkehren wollte. Es kam der Punkt, da dachte ich, er ist einfach zu jung und ich doch zu alt. Der Altersunterschied ist zu gross, es kann nicht funktionieren. Wir trennten uns ca. dreimal beinahe in dieser Zeit. Langsam ging es mir komplett scheisse (schreibe ich jetzt einfach einmal so;)).

Was ist mit meinen Augen los

Es kam dann der Tag, an dem ich fast nichts mehr sehen konnte. Ich stand mit einem Arbeitskollegen zusammen vor einer der anderen beiden Klassen, Teamteaching-Unterricht. Wie angeworfen konnte ich nur noch halb so gut sehen. Mittags ging ich nach Hause, um meine Kontaktlinsen auszutauschen. Auch hier fand ich noch eine Erklärung...

Als ich allerdings bemerkte, dass sich mit den neuen Kontaktlinsen nichts verbesserte, war es schon ein seltsames Gefühl und ich war doch etwas beunruhigt. Immer wenn etwas mit den Augen ist, kriege ich leichte Panik. Blind zu sein wäre etwas vom Schlimmsten für mich.

Schliesslich brach das Wochenende an. Das alljährliche Keksebacken bei meiner Tante verschlief ich mehr oder weniger. Ich war echt erschöpft, wovon auch immer.

Am Sonntag begaben mein Freund und ich uns nach Zürich zum Sonntagsverkauf. Vor einer Woche entschied ich mich für eine neue Brille. Diese musste ich nochmals anprobieren und die definitive Bestätigung für den Kauf geben. Dieser Besuch kam mir wie gerufen. Ich erwähnte da meine Probleme mit dem Sehen. Natürlich wurde dies gleich überprüft und tatsächlich sah ich mehr als eine Dioptrie schlechter (oh jee - ich bin doch bereits schon bei Minus 8). Die Mama meines Freundes, sie arbeitet in diesem Optikergeschäft, meinte zu mir, so schnell könne sich die Dioptrie nicht einfach so verschlechtern, ob ich schwanger sei oder eventuell an Diabetes leide. Da wusste ich es sofort. Ich konnte mir keine Ausrede mehr zurechtlegen.

Diagnose

Am Montag nach dem Unterricht kam meine Mama mit zwei Blutzuckergeräten direkt ins Schulhaus. Das erste Gerät zeigte nichts an. Vielleicht kaputt?! Auf dem zweiten Gerät erschienen die simplen Buchstaben „HI“. Sie nahm mich also direkt mit ins Spital...

Über den Aufenthalt schreibe ich gerne auch einmal. Dort war nämlich nicht alles so sonderlich toll.


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